Sondervorführung

Schillernder als jedes Drehbuch ist das Leben von Walter Kaufmann
Im Leben des am 15.4.2021 im Alter von 97 Jahren in Berlin gestorbenen Walter
Kaufmann spiegeln sich auf außergewöhnlichste Weise weltweit bedeutende
Ereignisse, Katastrophen, Erschütterungen des letzten Jahrhunderts, die bis in
unsere Gegenwart wirken.
Walter Kaufmann blieb bis zu seinem Tod unermüdlich kämpferisch. Er setzt mit
seinem Leben ein nachwirkendes Zeichen gegen jede Form von Rechtsruck,
Rassismus und Antisemitismus, die wieder bedrohliche Ausmaße in unserem
Land angenommen haben. Der Film ist ein Appell an uns Lebende, die
elementaren Menschenrechte und demokratischen Errungenschaften
entschlossen zu verteidigen.
Der Film folgt den wesentlichen Lebenslinien und weltweiten Erfahrungen des
Protagonisten. Walter Kaufmann erlebte als Jude persönlich die katastrophalen
Folgen des Nationalsozialismus. Als Schriftsteller und Korrespondent nahm er
regen Anteil an der Bürgerrechtsbewegung in den USA, am Prozeß gegen Angela
Davis, an der Revolution in Kuba, den Auswirkungen der Atombombenabwürfe in
Japan, der unendlichen Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes,
der Entwicklung und dem Zusammenbruch der DDR. Der Film bietet jüngeren
und älteren Zuschauern eine letzte Gelegenheit, die Welt aus der Perspektive
dieses einzigartigen Zeitzeugen vermittelt zu bekommen.
1924 kommt er als Sohn namens Jizchak der armen, jungen polnischen Jüdin
Rachel Schmeidler in Berlin zur Welt. 3 Jahre später adoptiert ihn ein
wohlhabendes Duisburger Ehepaar. Im Gegensatz zu seinen Adoptiveltern
Johanna und Sally Kaufmann konnte Walter Kaufmann der Vernichtung durch die
Nazis entkommen, rettete sich als Jugendlicher mit einem Kindertransport nach
England. Wurde dort interniert und mit dem berüchtigten Schiff „Dunera“ von
den Engländern nach Australien verfrachtet, wo er noch fast zwei Jahre in einem
Internierungslager verbringen mußte.
Er wurde australischer Soldat, Hochzeitsfotograf, Seemann und später
preisgekrönter Schriftsteller. Bewußt entschied er sich Mitte der 50iger Jahre für
ein Leben in der DDR. Er behielt seinen australischen Paß, durfte als Journalist
und Schriftsteller ausreisen und verarbeitete diese Erfahrungen in zahlreichen
Reportagen und Büchern, die in der DDR in extrem hohen Auflagen erschienen.
Von 1985 bis 1993 stand er als Generalsekretär dem PEN-Zentrum vor.
Hochrangige Auszeichnungen wie der Fontane-Preis, der Heinrich-Mann-Preis
sowie der Literaturpreis Ruhr wurden ihm zugesprochen.
Ein wichtiges im Film wiederkehrendes dramaturgisches Element ist die
Umsetzung des Briefwechsels von Sally und Johanna Kaufmann mit ihrem
Adoptivsohn Walter. Dieser erhaltene bewegende Austausch beginnt mit dem
Kindertransport von Walter Kaufmann nach England und endet an dem Tag der
Deportation der Eltern nach Theresienstadt.